Historischer Filmabend

Als die Bilder in Schnaitsee laufen lernten

Für eine überfüllte Gaststube im Gasthaus „Zur Post“ Ederer sorgte neulich eine Filmvorführung mit alten Filmaufnahmen aus Schnaitsee. Das Interesse an den gezeigten Filmen war so groß, dass weitere Stühle bereitgestellt werden mussten und manche Gäste keinen Platz mehr fanden.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum 1.100-Jahre-Schnaitsee hatten Sepp Lepschy und der leider im Sommer verstorbene Franz Rieperdinger die Idee, alte Filmaufnahmen aus Schnaitsee zu sichten, aufzubereiten und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Filmaufnahmen aus den 1950 und 1960er Jahren sind rar, nur wenige konnten bzw. wollten sich dieses teure und auch aufwändige Hobby leisten. Hans Hochhäusl, Sigi Weber, Horst Klein und Werner Rauschhuber waren hier Vorreiter und haben große Feste, aber auch Alltagsszenen und Privates auf Film festgehalten. Über die Jahrzehnte mussten die Aufnahmen auch immer wieder in neue Formate und Videostandards kopiert und gesichert werden, von Zelluloid Normal8, über Videokassetten zu den heute üblichen digitalen Formaten.

Die Aufnahmen der Holzrückearbeiten von Hans Hochhäusl ließen die Zuschauer gleich mal staunen, wie man mit damals modernen Eicher-Traktoren und ausgefeilter Technik früher die Waldarbeit erledigte. So mancher Zuschauer konnte sich auch noch an die Bauarbeiten an der neuen Schule in Schnaitsee und den Wiederaufbau vom Ederer-Stadl  Ende der 1960er Jahren erinnern. Neben den Zimmererarbeiten bekam man auch die Honoratioren der damaligen Zeit zu sehen, den Bürgermeister, den Schulrektor, Gemeinderäte und Vereinsvorstände. Ein privater Ausflug der Familie Hochhäusl nach München dokumentierte vom Olympiaturm aus die Arbeiten am Olympia-Sportgelände, das damals wie auch noch heute die Besucher in seinen Bann zieht. Die Aufnahmen einer Feuerwehrübung und auch eines tatsächlichen Feuerwehreinsatzes beim Brand eines Bauernhofes zeigten die Ausrüstung der damaligen Zeit vor gut 50 Jahren. Überraschend war dann auch ein Filmausschnitt zur Hochzeit der Wirtsleute Traudl und Manfred Ederer aus dem Jahr 1971 zu sehen, was die Herbergseltern natürlich besonders berührte. Davon wussten sie auch nichts.

Bilder der Tausend-Jahr-Feier 1956 wurde nachträglich zu einem Film gepackt und vom damaligen Gewerbeoberlehrer Richard Bauer vertont. Was für ein interessanter Einblick in diese Zeit. Die zahlreichen Gewerbebetriebe im Ortskern und die schönen Aufnahmen vom Festzug und Feierlichkeiten in den damals zahlreichen Biergärten ließen manchen an die „guade oide Zeit“ denken. Es ist auch erstaunlich was die Bevölkerung für die Festwoche alles auf die Beine stellte. Kurios wurde es dann, als ein ernsthafter Sühneversuch zweier Streitparteien mit dem Bürgermeister als Schlichter Anfang der 60er Jahre in eine Faschingsgaudi verwandelt wurde. Heute undenkbar. Als Zugabe gab es noch 2 Kurzfilme aus der neueren Zeit: Brotbacken auf dem Kerschdorfner-Hof (wohl aus den 1990er Jahren) und die Sprengung vom Hochkamin der alten Gmeindl-Ziegelei. Dieser ging erst beim 4. Sprengversuch zu Boden, was auch nachträglich nochmal Schmunzeln auslöste. Zum Ende dankte der mit viel Beifall bedachte Sepp Lepschy  noch Andreas Gerhardsreiter für seine technische Unterstützung und verwies auf den Wiederholungstermin am 18. Dezember im Saal der Taverna Ägäis.

Bericht und Fotos von Manfred Heistracher


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